Erfolge im Spitzensport dank Stoßwellentherapie

Ramadan

Ramadan und Reiterin Rahel
nach ihrem 2. LDR (August 2004)

Die Distanzsaison 2005 war für den 13jährigen Vollblut-Araber-Wallach Ramadan und seine gleichaltrige Reiterin Rahel Lewin ausgesprochen erfolgreich verlaufen. Die Teilnahme an der Deutschen Jugendmeisterschaft scheiterte lediglich daran, dass Rahel das erforderliche Mindestalter noch nicht erreicht hatte. Beim internationalen Drei-Sterne-Ritt über 120 Kilometer in Göttingen am 13. August waren die beiden die einzigen Starter in der nationalen Jugendwertung und bewältigten die Strecke in einer Zeit von 4,69 (Tempo 12,79 km/h) mit Bravour. Dafür gab es als Extra obendrauf sogar noch den Best Condition!

2006 sollte es nun richtig losgehen. Rahel, endlich 14jährig, hatte ihre internationale Lizenz und steuerte auf Deutsche, ja europäische Jugendmeisterschaft zu. Der internationale 80-Kilomter-Ritt in Fischerhude am 22. April sollte der Auftakt sein. Dass Ramadan ungefähr drei Wochen vor dem geplanten Start beim Training im Trab einmal gestolpert war und danach kurz unsauber ging, war (fast) vergessen, zumal der Schimmel manchmal zügellahm läuft, was dann herausgeritten sein will. Natürlich manifestiert sich eine Zügellahmheit nur unterm Sattel. Ramadan einmal an der Hand vortraben zu lassen, darauf sind wir – damals – nicht gekommen.

Die erste böse Überraschung ereilte uns in Fischerhude bei der Voruntersuchung. Martin Grell, Chef der Veterinärkommission vor Ort und zu Hause Ramadans behandelnder Tierarzt (der ihn also sehr genau kennt), berief wegen einer Taktunreinheit im Gang den Dreierentscheid ein: Ramadan erhielt keine Starterlaubnis.

Die ersten Ultraschall-Bilder zeigten einen Befund im Bereich des Fesselträgerursprungs vorn rechts: das, was vom Laien gern als „Loch im Fesselträger“ bezeichnet wird, weil der auf dem Ultraschallbild dunkel erscheinende Bereich des Befundes ein (so nicht vorhandenes „Loch“) suggeriert. Martin Grell überwies Ramadan zur umfassenden Diagnostik an Dr. Andreas Faulstich in der Pferdeklinik Seeburg.

Pferdeklinik Seeburg

Pferdeklinik Seeburg bei Berlin

In Seeburg, der technisch bestens ausgestatteten Pferdeklinik am Westrand Berlins, wurden zunächst weitere Ultraschall-Aufnahmen und Röntgenbilder gemacht. Das Röntgen blieb unauffällig, im Ultraschall zeigte sich ein unklarer Befunde. Nach der Beugeprobe lahmte Ramadan deutlich.

Um einen eindeutigeren Befund zu bekommen (schließlich sollte das Pferd im besten Falle noch viele, viele Kilometer laufen), riet Dr. Andreas Faulstich zur Computertomografie. – Ramadan blieb in der Klinik; die Diagnostik wurde unter Vollnarkose durchgeführt.

Dr. Faulstich

Einen Tag später hatten war das, was Dr. Faulstich „sensationelle CT-Bilder“ nannte – für uns war es ein Schock. Im Bereich des Fesselträgerursprungs, dort also, wo die Sehne am Knochen angewachsen ist, zeigte sich statt eines geradlinigen, glasklaren Übergangs eine mehrfach geriffelte Linie. Exostosen, Zubildung von kompakter Knochensubstanz (medizinisch auch Insertionsdesmopathie / Bandverknöcherung) – mutmaßliche Folge des „harmlosen“ Stolperers (Kaninchenloch?) einige Wochen zuvor.

Was nun? – Stoßwellentherapie lautete der Behandlungsvorschlag von Dr. Faulstich.

Bei aller Skepsis, die das Lesen in diverse Pferde-Foren in mir hatte aufkommen lassen, blieb uns doch keine Wahl. Eine Alternative gab es nicht. Das Pferd einfach auf die Weide zu stellen, um etwas ausheilen lassen, was von alleine nicht ausheilen konnte, war keine Option – die Gewebezubildungen wären von selbst nicht wieder verschwunden.


REFERAT STOSSWELLE von Dr. Andreas Faulstich (Download als PDF)


Insgesamt vier Mal wurde Ramadan in diesem Jahr mit je 1500 „Schuss“ Stoßwelle behandelt. Da er nervenstark ist, konnte dabei die sonst obligatorische Sedierung entfallen – Möhren reichten aus, um ihn während der jeweils siebenminütigen Behandlungen ruhig zu halten. Nach jeder Behandlung gab es drei Tage Boxenruhe, dann ein Bewegungsprogramm: Schritt auf hartem Boden, angefangen bei zehn Minuten täglich mit Steigerung auf 30 Minuten. Ramadan wurde mit Eiereisen beschlagen und musste alle drei Wochen erneut in Seeburg vorgestellt werden. Der Behandlungserfolg wurde mithilfe von Ultraschall kontrolliert.

Beratung in Seeburg

Beratung in Seeburg
Dr. Faulstich und Pferdebesitzer

Im Oktober betrachtete Dr. Faulstich die Behandlung als zu 95 % abgeschlossen, auf dem Ultraschall war nur noch ein kleiner Schatten erkennbar, Ramadan trabte jedoch noch immer geringfügig taktunrein. Inzwischen hatten wir Anfang August.

Wegen der weiterhin bestehenden Gangunreinheit ritt Rahel den Wallach konsequent Schritt auf Asphalt, ohne das Trainingspensum zu erhöhen. Er wurde im Oktober seinem Haustierarzt Martin Grell vorgestellt, der im Ultraschallbild immer noch einen Schatten erkennen konnte. Da das Pferd auch nach dem Gefühl der Reiterin noch nicht wieder taktrein lief, wurde es über den gesamten Winter hinweg im Schritt auf Asphalt gearbeitet. Erst im Februar erhöhte Rahel das Pensum allmählich.

Ende Februar wurde Ramadan erneut zur Nachuntersuchung in die Klinik gebracht. Und endlich war der Ultraschall ohne Befund!

Erst jetzt ging es wieder an die Galopparbeit und an den Fitnessaufbau für die Saison. (Natürlich konnten wir hier von einer Grundkondition profitieren, die in den Vorjahren antrainiert und über den Winter im Schritt zumindest ansatzweise erhalten worden war). Bei seinem Debüt Ende März in Angermünde lief Ramadan 42 Kilometer ohne Probleme und siegte vier Wochen später in Rüdnitz über 80 Kilometer (gemeinsam mit Mourana unter Renan Borowicz) in Tempo 3,94 (15,24 km/h).

Die 104 Kilometer der Laubacher Acht in Hessen am 2. Juni sollten als Vorbereitungsritt für die Deutsche Jugendmeisterschaft dienen. Wieder wurde es ein erster Platz, gemeinsam mit der späteren deutschen Meisterin Claudia Al Samarraie auf Ayman und dem Erfolgs-Jugend-Duo Joana Al Sammraie auf Tamunis (Tempo 4,23 = 14,18 km/h).

DJM

Ramadan unter Rahel
Start zur DJM 2007

Wir sahen den Deutschen Jugendmeisterschaften am 12. Juli in Göttingen (und dem ersten „wirklichen“ internationalen Start) hoffnungsvoll entgegen. – Doch wieder endete es im Desaster. Ramadan stürzte bereits 15 Kilometer nach dem Start, hatte zunächst aber anscheinend nur Schürfwunden, die zwar bluteten, auf dem Schimmelfell jedoch schlimmer aussahen, als sie waren. Rahel passierte sogar noch das erste Vet-Gate und durfte (unter Vorbehalt) weiterreiten. Obwohl weder die eigene Crew noch fremde Trosser noch der Landestrainer dem Pferd unterwegs Gangprobleme ansahen, bestand die Reiterin, einem unguten Gefühl vertrauend, darauf, ihn nach rund fünfzig Kilometern auf der Strecke anzuhalten und aus dem Rennen zu nehmen.

Nach dem Rücktransport an den Veranstaltungsort lahmte Ramadan beim Vortraben tatsächlich – und wieder vorn rechts. Diesmal war Martin Grell als Treating Vet (Behandelnder Tierarzt) im Einsatz. Er konnte aber auf Anhieb die Lahmheitsursache nicht feststellen. Auch mittels Infrarot-Thermografie (Thomas Zimmermann / Thermografie Institut Berlin) ließ sich kein Wärmeherd an dem betroffenen Bein lokalisieren. – Wir fuhren nach Hause und setzten zunächst auf Laser-Magnetfeld-Therapie in täglicher Anwendung.

Kreuth

Ramadan und Rahel in Kreuth

Ramadan lief nach einer Woche wieder lahmfrei. Es hatte sich jedoch am Röhrbein vorn rechts innen ein Überbein gebildet, das druckempfindlich war – vermutlich hatte er sich beim Sturz dort selbst gegriffen. Auch war das betroffene Bein nach jeder größeren Belastung am nächsten Morgen extrem angelaufen, dann aber nach kurzem Koppelgang wieder klar.

Fünf Wochen nach der verpatzten DJM stand der Nationenpreis in Kreuth auf dem Programm. – Bei jedem morgendliche Anruf der Stallbesitzer, dass Ramadans Bein wieder die Dimensionen eines Ofenrohres habe, glaubten wir, das sei das Aus. Martin Grell mahnte Gelassenheit an. Die brachten wir nicht auf.

Acht Tage vor dem Rennen lud ich Ramadan auf und fuhr mit ihm wieder zu Dr. Faulstich nach Seeburg. Lahmheitsuntersuchung und Ultraschall blieben ohne Befund. Dennoch machte das Überbein uns Sorge. Dr. Faulstich schlug eine weitere Stoßwellen-Behandlung vor und machte uns Mut: Ramadan könne starten.

Am Tag nach der Stoßwellen-Therapie war das zuvor schwammig wirkende Gewebe im Bereich des Überbeins trocken und nicht mehr druckempfindlich. – Ramadan beendete in Kreuth sein erstes internationales Rennen in der Wertung als bestes deutsches Jugend-Pferd!

Thermografie

Thermogramm vom 28.8.2007

Zwei Wochen nach dem Rennen machte Thomas Zimmermann Thermografie-Aufnahmen des behandelten Überbeins. Im Thermogramm war der Bereich noch deutlich zu erkennen, jedoch mit „zerfließender“ Tendenz, die auf einen fortschreitenden Heilungsprozess schließen ließ. Die anschließende rechnerische Auswertung der Daten des Thermogramms ergaben eine zu siebzig Prozent abgeschlossenen Heilungsprozess mit fallender, aber fortschreitender Tendenz.

Ramadan hat nach Kreuth die Saison beendet und wurde für eine lange Winterpause abtrainiert.

Miriam Lewin

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letzte Aktualisierung 22. Februar 2012