
Es war die erste internationale Distanzveranstaltung in den ostdeutschen Bundesländern seit langer Zeit. Perwenitz im Glien, keine halbe Stunde nördlich von Berlin, bot die Kulisse für eine attraktive Zwei-Tage-Veranstaltung. Wer im Vorfeld meinte, Renan Borowicz hätte sich mit der Ausrichtung des CEI3* übernommen, der irrte. Das Event war vorbildlich organisiert, die Reiter lobten die zwar sparsame, aber logische Markierung, kurze Wege im zentralen Vet-Gate freuten die Crews, der Eichenhof Perwenitz mit seiner Gastronomie war ein guter Gastgeber, eifrige Helfer zeigten überall großes Engagement, wie eben auch – und nicht zuletzt – die Veranstalter selbst. Es wird sie gefreut haben, dass mit der Vollblut-Araberstute Mourana unter Gastreiterin Cornelia Weidlich aus Schönwalde-Glien auch noch ein eigenes Pferd den Sieg im nationalen LDR über 81 km nach Hause holte. In 05:02:32 h und mit 16,06 km/h lag sie deutlich vor ihren Verfolgern Annett Werner mit Evita und Roland Kälberlach mit Parit (beide 14,6 km/h).
Etwas schneller waren die Junioren, die über dieselbe Distanz international angetreten waren. Im Finish setzte sich Jule Röhm (Mössingen) mit dem Araber Eregos, einem Pferd aus dem Stall von Ursula Klingbeil, in 04:46:50 h um Sekundenbreite gegen Jasmin Oeding-Rose mit Sas Enaya durch. Durchschnittsgeschwindigkeit war 16,9 km/h. Erst eine Stunde später kam Pauline Wadewitz mit Bareur Kossack ins Ziel.
In 17,25 km/h (04:41:48 h) legte Kerstin Deichmüller (Sundern) mit dem Araberwallach Bokal dieselbe Distanz beim CEI1* zurück und kam damit kurz vor Andy Schramke mit Sameeyah und Joana Al Samarraie mit Zarah ins Ziel. Schramkes Araberstute konnte am nächsten Tag die Vet-Komission überzeugen und bekam den Konditionspreis zugesprochen.
Über 121 km international konnte sich bei den Senioren Ines Liskow (Aidlingen) mit dem Araberwallach Roger durchsetzen. In flotten 17,08 km/h ließ sie in einer Reitzeit von 07:05:03 Gabi Schreiber mit Safir zehn Minuten hinter sich. Auf Platz drei folgte Daniela Kübbeler mit Buddy D. Bei den Junioren reichte es in 07:27:48 h (16,21 km/h) für Amanada Kalmeyer aus Dänemark mit dem Shagya Araber Cargash zum Sieg über die amtierende deutsche Juniorenmeisterin Clara Haug mit Zyona. In der nationalen Wertung waren nur zwei Teilnehmer angetreten. Hier siegte Nicola Ohnemus (Schwaig) mit der Araberstute Georgia in 08:55:42 (13,55 km/h) über die Berlinerin Anna Knierim mit Jilfan Assalaam. Der hübsche zehnjährige Rapphengst erhielt am nächsten Tag auch den Konditionspreis, ebenso wie der zwölfjährige Roger von Ines Liskow.
Von drei Teilnehmerinnen, die im internationalen Hundertmeiler angetreten waren, kamen zwei ins Ziel, dabei mit deutlicher Führung Melanie Arnold mit der siebenjährigen Araberstute Sevinc aus Marbacher Zucht. In einer Reitzeit von 10:22:24 und mit 15,5 km/h lag sie weit vor der Dänin Inge-Merete Larsen mit dem zahnjährigen Araberwallach Wisdoms Touch, die für die Strecke 11:22:36 h benötigte, was 14,15 km/h entsprach. Sevinc präsentierte sich auch am Folgetag der Vet-Komission in hervorragender Verfassung und erhielt hoch verdient den Best Condition Award.
Interessant ist auch der Ausgang des 80-Kilometer-MDR am Sonntag. Hier siegten Hand in Hand die beiden Berlinerinnen Franziska Finkel mit Perhaps und Maike Grell mit Godasil Narcya in 06:25:08 (12,46 km/h). Dabei ist anzumerken, dass die zehnjährige Araberstute Godasil Narcya bereits am Vortag den LDR über 81 km, hier unter Franziska Finkel, erfolgreich absolviert und somit an zwei Tagen ganze 161 auf dem Tacho hatte.
Weitere nationale Wettkämpfe wurden über 66, 46 und 31 Kilometer ausgetragen, wobei der Einführingsritt in Leistungsklassen gewertet wurde. Auf der kurzen Distanz siegte Daniela Röhl auf Haara in 02:47:20 (16,49 km/h vor Antje Rauhut auf Dalima und Jeanette Höhne mit Nui Impuls. Auf der mittleren Strecke reichte es in 04:50:19 (13,64 km/h) für Andrea Kunze mit Stella zum Sieg. Zweite wurde Katrin Michaelis mit Kirac vor Isabelle Sandow auf Chilly.
Auch, wenn man dem Veranstalter noch ein paar ausländische Gäste mehr gewünscht hätte, konnte er mit einer Bilanz von fast 100 Nennungen für die gesamte Veranstaltung durchaus zufrieden sein. Wie bei jeden großen Wettkampf gab es Höhen und Tiefen. Die flachen Sandböden, deren Geläuf nach einem kräftigen Gewitterguss am Freitagabend nahezu ideal war, verleiteten so manchen Reiter zum Gasgeben, in der Folge gab es auch einige Ausfälle wegen Lahmheiten. Besonders hart trifft es natürlich immer diejenigen, die im Ziel eliminiert werden, so wie diesmal Uschi Klingbeil, die mit ihrem Hengst Lepperdu den Sieg im CEI2* über 121 km fast schon in der Tasche glaubte. Zwei Pferde trennten sich von ihren Reitern und begaben sich auf die nahe gelegene Autobahn. Ob sie die vorgeschriebene Gummibereifung hatten und die Mindestgeschwindigkeit von 50 km/h erreichten, entzieht sich der Kenntnis der Schreiberin. Jedenfalls konnten sie wohlbehalten wieder eingefangen werden. Einem norwegischen Pferd, das auf der Strecke einen Verschlag erlitten hatte und in die Klinik gefahren werden musste, ging es am Tag nach dem Wettkampf bereits wieder besser. Und somit wendete sich letzten Endes alles zum Guten.
Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer zünftigen berittenen Siegerehrung durch den Veranstalter Renan Borowicz und die Präsidentin Dr. Juliette Mallison im Beisein des Bürgermeisters und einer Vertreterin des Landesverbands Pferdesport Berlin-Brandenburg.
| letzte Aktualisierung 22. Februar 2012 |